Mit einem 45 Grad Winkel streckte Ribéry seine offene Sohle in das Bein von Lyons Lisandro Lopez. Sat-1-Moderator Wolf-Christian Fuss benötigte fünf Zeitlupen, um die Brutalität zu erkennen. Schiedsrichter Rosetti stand in Schlagdistanz und war eindeutig schneller. Die Rote Karte war berechtigt, auch wenn Franz Beckenbauer im Anschluss rumeierte und von einer harten Entscheidung sprach. Ribéry ging nicht einfach zum Ball, er streckte den Fuß mit den Stollen voran in die Gegend zwischen Sprunggelenk und Wadenbein. Wahlweise reissen dann sämtliche Bänder oder der Knochen etwas drüber erleidet einen erheblichen Knacks. Lisandro Lopez kam mit einem Schrecken und späteren wütenden Pfiffen vom Bayern-Publikum davon. Obwohl der Argentinier danach weiterspielen konnte, war zu sehen, wie das Foul seine Bänder malträtierte. Glück im Unglück.
Doch schon wenige Wochen zuvor wurde dem Salzburg-Keeper Eddie Gustafsson in einem Ligaspiel vom Linzer Lukas Kragl das Bein gebrochen. Eine ähnliche Situation wie die Ribéry-Szene, nur mit bitterem Ausgang. Ein halbes Jahr Pause ist als Minimum anzusiedeln. In Österreich hallte ein lautes „Aaaah“ durch die Medienlandschaft. Da dreht sich einem schon beim Zuschauen der Magenum.
Mutter der Tragödien
Die Mutter der Tragödien und der modernen Unsitte konstituiert das Foulspiel an Eduardo. Der kroatische Nationalspieler in Diensten von Arsenal London erlitt ein analoges Schicksal im Februar 2008. Die Empörung war riesig, Arsenal-Coach Arsene Wenger tobte und wollte dem Attentäter gar das zukünftige Fußballspielen verbieten. Mark Taylor war es, der Eduardo damals niederstreckte. Die Reue war im Anschluss groß, Taylor besuchte den Stürmer kurze Zeit später. Auch wenn nicht immer Absicht unterstellt werden muss, ist es ein noch unsportlicheres Verhalten als die Grätsche von hinten. Und für die wurdeexplizit die Rote Karte als Folge eingeführt.
Nicht umsonst verzichteten englische Fernsehsender in magenschonender Weitsicht auf ausufernde Zeitlupen. Ebenso agierte der übertragende englische Sender beim Beinbruch von Arsenals Aaron Ramsey aus dem Februar dieses Jahres. Nicht schon wieder, war der Tenor. Nicht schon wieder wir, wird sich zudem Arsene Wenger gedacht haben. Auch hier zeigte der Verursacher – in persona Ryan Shawcross – Reue und schlich heulend vom Platz.
Man kann und darf nicht stets eine Absicht unterstellen. Dennoch kann die Rote Karte gegen Franck Ribéry als Fingerzeig dienen. Die moderne Unsitte des Schlappendraufhaltens könnte durch hartes Durchgreifen möglicherweise ausradiert werden. Es wäre wünschenswert, denn nicht jeder kommt so glimpflich davon wie Lyons Lisandro Lopez im Champions League Hinspiel.

